A A A

Fragen & Antworten

„Ich wurde mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel diagnostiziert und soll nun eine Substitutionstherapie erhalten. Was genau erwartet mich? Wie geht es mir nach der Therapie? Kann ich anschließend noch Auto fahren oder sollte mich immer jemand zum Arzt begleiten?“ 

Unter einer Substitutionstherapie versteht man, dass dem Körper das fehlende Alpha-1-Antitrypsin durch regelmäßige Infusionen in die Blutbahn zugeführt wird. Es wird also künstlich ersetzt (substituiert). Mit diesen Infusionen wird die Konzentration des fehlenden Stoffes so weit angehoben, dass die Lungenbläschen vor einer weiteren Zerstörung geschützt werden. Die Wirksamkeit einer solchen Substitutionstherapie konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden: Das Fortschreiten des Emphysems und des Lungenfunktionsverlustes wird gebremst, Infektionshäufigkeiten werden gesenkt und die Prognose begünstigt. In den meisten Fällen reicht eine einmalige wöchentliche Kurzinfusion aus, die ca. eine halbe Stunde dauert und von Ihrem Haus- oder Lungenfacharzt verabreicht wird.

Die Substitutionstherapie gilt als gut verträglich und beeinträchtigt nicht die Fahrtüchtigkeit, sodass Sie im Anschluss auch Auto fahren können. In einzelnen Fällen kann es zu Müdigkeit nach der Infusion kommen. 

Dr. Ulrich SteinhauserDr. Ulrich Steinhauser
Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde, Sport-, Umweltmedizin und Allergologie aus Sinsheim.



„Gibt es genetische Untersuchungen des AAT und gibt es Erkenntnisse, dass bei unterschiedlichen Anordnungen der Aminosäuren die Bildung einer COPD hervorgerufen werden kann? Der Hintergrund meiner Frage ist folgender: Ich habe in dritter Generation COPD (seit 3 Jahren sauerstoffpflichtig) und habe kein AAT-Mangel. Da aber das Rauchen keine bzw. untergeordnete Rolle gespielt hat, bin ich mit dem Rest meines Lebens damit beschäftigt, meinen Kindern möglichst viele Informationen mitzugeben, wenn sie in 20 Jahren vielleicht mit den gleichen Problemen konfrontiert werden.“ 

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine genetische Erkrankung, die mittlerweile durch verschiedene Diagnose-Verfahren diagnostiziert bzw. festgestellt werden kann. Hierzu zählen z.B. ein Schnelltest mit kapillarem Blut, der direkt in der Arztpraxis durchgeführt werden kann, eine Serumspiegel-Messung bei der die Konzentration des Proteins Alpha-1-Antitrypsin im Blut gemessen wird und auch der genetische Test mittels sogenannter Geno- bzw. Phänotypisierung.

Sie berichten in Ihrer Frage ja, dass Sie nicht unter AAT-Mangel leiden aber dennoch in der Familie in 3. Generation an COPD leiden, ohne starke Tabakrauchexposition. Hier stellt sich natürlich zuallererst die Frage wie der AAT-Mangel damals bei Ihnen bzw. Ihrer Familie ausgeschlossen wurde bzw. welche Tests durchgeführt wurden. Zum Beispiel kann bei Alpha-1 auch ein sogenannter heterozygoter Mangel auftreten. Das heißt dass die Betroffenen neben dem defekten Gen-Allel auch ein gesundes tragen. Dies äußert sich in nur leicht erniedrigten Serumspiegeln von AAT, die manchmal als unbedenklich eingestuft werden. Allerdings haben nach neuesten Studienerkenntnissen diese Träger ein höheres Risiko an einer COPD zu erkranken wenn sie z.B. Raucher waren oder stark und häufig anderen sog. exogenen Noxen wie Rauch und Staub ausgesetzt waren. Ratsam wäre daher, sofern nicht schon durchgeführt, eine Geno- und Phänotypisierung auf Alpha-1-Antitrypsinmangel durchführen zu lassen, um hier Sicherheit zu erhalten.

Wenn das Ergebnis hier negativ ist, das heißt sie tragen keines der AAT-Risiko-Allele, können natürlich auch andere genetische Faktoren bei der Entwicklung einer COPD in Frage kommen. Dies ist derzeit auch Fokus intensiver Forschung.

Man muss hier allerdings auch erwähnen, dass es derzeit noch keine zielgerichtete Therapie auf andere Genotypen gibt, die in Verdacht stehen das Risiko einer COPD zu erhöhen. Das bedeutet, dass die ausgesprochenen Empfehlungen im generellen die gleichen sind um ein Erkrankungsrisiko zu minimieren: Rauchstopp bzw. strikte Tabakabstinenz, Vorkehrungen bei der Berufswahl (Risikoberufe wären z.B. Bauarbeiter, Bergarbeiter, Kaminkehrer, Bäcker, Schreiner etc. also Berufe mit Exposition zu Rauch, Staub etc.), evtl. Schutzimpfungen gegen Pneumokokken und Influenza und eine konsequente Infektprophylaxe.

Eventuell wären auch regelmäßige Untersuchungen beim Pneumologen oder Hausarzt empfehlenswert, um eine Verschlechterung der Lungenfunktion schnellstmöglich zu entdecken und rechtzeitig reagieren zu können. Insbesondere bei gehäuften Infekten sollte eine Bronchiektasenerkrankung ausgeschlossen sein. 

Zur weiteren Beratung, Abklärung und evtl. Testung würde sich ein in der Nähe Ihres Wohnortes gelegenes Alpha-1-Center bzw. Alpha-1-Kindercenter anbieten. Weitere Informationen finden Sie unter der Website www.alpha-1-info.com.

Dr. Wehgartner-Winkler
Alpha-1-Center Augsburg Pneumologische Gemeinschaftspraxis, Augsburg

 

 

 



„Bei mir und meiner Schwester wurde Alpha 1 durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Ich habe einen Sohn der behindert ist (Angelman-Syndrom), habe ihn aber noch nicht testen lassen. Bei meinem Sohn hat man eine Fettleber festgestellt (er hat etwas zu viel an Gewicht). Kann eine Fettleber auch schon ein Anzeichen von Alpha 1 sein?“ 

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die sich im Kindesalter vorzugsweise als Lebererkrankung manifestiert, im Erwachsenalter stehen chronische Bronchitis und die Ausbildung eines Lungenemphysems im Vordergrund, es können aber auch Leberkrankungen auftreten.

In einem zwischenzeitlich erfolgten Telefonat teilten Sie mit, dass im Rahmen einer Phänotypisierung bei Ihnen und Ihrer Schwester ein heterozygoter Alpha-1-PI-Mangel, PiMZ nachgewiesen wurde. Bei Ihrem Sohn wurde bisher keine Bestimmung des Alpha-1-Serumspigels durchgeführt, ebenso erfolgte keine Phänotypisierung.

Vom Vater Ihres Sohnes sind ebenfalls weder der Alpha-1-Serumspiegel bekannt, noch wurde eine Typisierung durchgeführt.

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist die häufigste genetische Ursache einer Lebererkrankung im Kindesalter. Frühe Anzeichen  sind z.B. eine Gelbsucht in der Neugeborenperiode oder eine Lebervergrößerung. Eine Fettleber kann durch einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bedingt sein. Klinische Zeichen (Symptome)  der Lebererkrankung treten im  Kindesalter jedoch vorzugsweise bei einem homozygoten Vererbungstyp auf. Um die Frage zu klären, ob die bei Ihrem Sohn diagnostizierte Fettleber Ausdruck eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels sein kann, sollte bei dem Kind eines Bestimmung des Alpha-1-Serumspiegels und dann ggf. eine Typisierung durchgeführt werden. Ebenso wäre es sinnvoll, wenn bei dem Vater des Kindes eine Serumspiegelbestimmung erfolgen würde, ggf, auch nachfolgende Typisierung.

Ein Zusammenhang mit dem von Ihnen erwähnten ANGELMANN-Syndrom ist mir, nach Durchsicht der Literatur, nicht bekannt.

Dr. Andreas Wilke
Alpha-1-Center Berlin, Evangelische Lungenklinik Berlin

 

 



„Gibt es einen Zusammenhang zwischen Alpha-1 und Morbus Wegener?“ 

In der Tat gibt es Hinweise, dass zwischen dem Auftreten eines Morbus Wegener (bzw. einer granulomatösen Vaskulitis) und dem Vorliegen eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels (AATM) ein Zusammenhang bestehen kann.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine genetische Erkrankung, die sich im Kindesalter in Form von Lebererkrankungen manifestieren kann, wohingegen im Erwachsenenalter eher Symptome einer chronisch-obstruktiven Bronchitis bis zur Entwicklung eines Lungenemphysems vorherrschend sind. Neben diesen beiden hauptsächlichen Manifestationen wird der AATM allerdings noch mit verschiedenen anderen Krankheitsmanifestationen in Verbindung gebracht. Unter anderem auch mit Morbus Wegener.

Der Zusammenhang zwischen dem Mangel an Alpha-1-Antitrypsin und der Entwicklung der Morbus-Wegener ist noch nicht abschließend geklärt. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Patienten mit Morbus Wegener auch zumindest Träger für einen AATM sind (3 bis 9-fach höhere Häufigkeit). Ebenso zeigen homozygote Träger des AATM ein höheres Risiko einen Morbus-Wegener zu entwickeln als Träger des „normalen“ AATM-Genotyps (etwa 3-fach erhöhtes Risiko).

Aus diesem Grund empfehlen z.B auch die Leitlinien in Europa und den USA (gemeinsames Statement von American Thoracic Society und European Respiratory Society) bei Personen mit Morbus Wegener eine genetische Testung auf AAT-Mangel zu besprechen.

Prof. Rembert Koczulla
Alpha-1-Center Marburg, Klinikum der Universität Gießen & Marburg